Wer ist… Yhya Mosslly?

Geschrieben von RS am in 1. Herren, Herrenmannschaften, Mannschaften

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Und eine weitere Folge von Wer ist… wartet auf Euch. Yhya Mosslly, der gebürtige Syrer, bekannt durch sein brachiales Spiel und seine kämpferische Art. Syriens Nummer 1 und ein sehr liebevoller Mensch, was im Verlaufe des Interviews schnell bemerkbar wird. Wer sich wundert, warum die Antworten in so einem guten Deutsch verfasst sind, der darf gerne staunen. Yhya kann nämlich mittlerweile ziemlich gut Deutsch und ist auch da weiterhin am üben.

Interviewer Raffaele Sassano: Wann hast du angefangen mit Tischtennis?

Yhya Mossly (YM): 20 Jahre, also seit 1996, spiele ich Tischtennis. Mit 7 Jahren habe ich damals, zusammen mit meiner Schwester, bei einem Verein in Syrien mit Tischtennis angefangen.

Was ist schön am Tischtennis beziehungsweise warum spielst du Tischtennis?

YM: Man ist beim Tischtennis mit vielen Leuten im Kontakt, egal welches Geschlecht oder Herkunft.

Wie würdest du deine Spielweise im Tischtennis beschreiben?

YM: Ich würde mich als ein offensiver Spieler bezeichnen. Einer der nach dem Aufschlag sofort Topspin spielen will. Außerdem spiele ich sehr gerne Rückhand.

Was machst du wenn du kein Tischtennis spielst?

YM: Ich schwimme sehr gerne, ein mal in der Woche. Ansonsten Freunde treffen und natürlich arbeiten (lacht).

Was arbeitest du zur Zeit?

YM: Ich arbeite zur Zeit in einer Sportakademie/Jugendhilfe als Betreuer und Trainer. Wir haben zur Zeit 16 Jugendliche und organisieren für die Jungs alles. Essen, Krankheit, Schule, Jugendamt. Alles mögliche, was die Pflege und Betreuung der Jugendlichen betrifft. Diese Jugendlichen spielen hauptsächlich Fußball, aber auch andere Sportarten. In unserem Gelände gibt es auch eine Sporthalle, Krafthalle und Spielplatz.

Was sind deine täglichen Aufgaben auf Arbeit?

YM: Ich mach alles. In der Nacht Termine organisieren und Formulare und Papiere vorbereiten. Oder wenn ein Jugendlicher krank ist, dann kümmer ich mich um ihn und geb ihm bei Bedarf Medikamente.

Wie ist es für dich in der Nacht zu arbeiten?

YM: Das ist schwer. Vor allem am Anfang fiel mir das schwer. Auch gleichzeitig Deutsch zu lernen… 8 Stunden Arbeit und 4 Stunden Deutsch-Kurs. Ich halte mich oft wach mit Kaffee und schlafe nur 5-6 Stunden am Tag.

Bist du schon einmal eingenickt auf Arbeit oder hast du immer viel zu tun?

YM: Ich habe zum Glück immer viel zu tun. Aber ich habe auch jeden Tag 1-2 Stunden Pause, aber da kann ich nicht schlafen, sondern ruh mich nur aus und schau fern. Denn falls irgendetwas passiert oder ein Notfall ist, muss ich bereit sein, wieder einzuspringen.

Kommen wir wieder zum Tischtennis. Wie sah dein Tag damals aus, als du professionell Tischtennis in Syrien gespielt hast?

YM: Am Tag war ich in der Uni. Ich habe damals Sportpädagogik studiert. Nachmittag war ich zu Hause und hab was gegessen. Abends habe ich jeden Tag ca. 3 Stunden trainiert. Manchmal am Wochenende habe ich auch Nachmittag trainiert. Das war manchmal Gruppentraining und manchmal Einzeltraining, aber nur mit syrischen Spielern. Und wenn wir ein internationales Turnier hatten sind wir ins Ausland gefahren, zum Beispiel nach China oder Rumänien. Wir haben so viele Trainingslager gehabt. Zum Beispiel habe ich mal mit der Nationalmannschaft von Weißrussland mittrainiert, allerdings ohne Samsonov.

Ist Tischtennis in Syrien bekannt?

YM: Kennen nicht viele. Die Leute in Syrien machen eher viel Fitness, Fußball, Handball und Basketball auch. Man kann sagen, dass es so wie in Deutschland ist.

Okay, Themawechsel. Wie ist der Kontakt zu deiner Famlie?

YM: Mit meiner Familie hab ich sehr guten Kontakt. Fast jeden Tag telefonieren wir, wenn ich Zeit habe. Mit meinen Freunden habe ich nicht so guten Kontakt mehr.

Wann warst du das letzte Mal in Syrien?

YM: Ich bin seit 2 Jahren hier in Deutschland und war im August 2014 das letzte Mal in Syrien.

Hast du die Möglichkeit nach Syrien zurückzukehren?

YM: Nein, das ist zu gefährlich. Wenn ich nach Syrien fahren würde, würden sie mich sofort in die Army schicken.

Was wünschst du dir für deine Zukunft? Willst du hier in Deutschland bleiben oder irgendwann einmal wieder zurück in die Heimat?

YM: Ja, ich möchte hier bleiben und meinen Urlaub in Syrien machen (lacht), nur meinen Urlaub. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass ich weiterhin meine Familie besuchen kann und dass meine Frau nach Deutschland kommt. Ja das ist alles.

Will deine Frau nach Deutschland kommen?

YM: Ja. Sie hat einen Termin im Dezember. Diesen Termin habe ich bereits im Januar vereinbart. Dann braucht sie vielleicht 3 oder 4 Monate noch, bis sie kommen kann. Sie kommt auf jeden Fall, aber das braucht Zeit. Das nennt sich Bürgerschaft für Verlobte im Ausland. Ich muss also für sie sorgen. Deswegen arbeite ich und will Geld verdienen.

Wie hast du eigentlich deine Arbeit gefunden?

YM: Durch Marija Antonijevic habe ich die Arbeit gefunden. Sie arbeitet auch dort. Und Robert Pagels hatte mir bei meiner Bewerbung sehr geholfen.

Okay eine Abschlussfrage habe ich noch: Was ist dein Lebensmotto?

YM: Sei immer lieb zu den Menschen und mach mit ihnen keine schlechten Sachen. Und: Frieden für alle.

Sehr weise Wort Yhya, ich bedanke für mich das Interview. Hat Spaß gemacht.

YM: Auch vielen Dank, Raffaele :)

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