Die Ruhe nach dem Sturm – Unentschieden gegen Holzhausen

Geschrieben von Christian Klas am in 1. Herren

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Ja, wir wollten gewinnen. Ja, auch als Außenseiter. Und es war drin. Gila und Turo führten im Entscheidungsdoppel schon klar. Spätestens nach Roman Zavorals Fehlaufschlag war der Deckel eigentlich zu. Aber eben nur eigentlich. Es blieb beim Unentschieden. Keine Verlierer und doch ein Gewinner – der heißt TISCHTENNIS.

Die Halle war proppevoll. Jede Menge Neutrale, eine starke Holzhausener Fangerade, aber ohne Zweifel – die stärkste Fraktion kam aus dem Westen. Es war klar, diesmal würde es knapper werden. Holzhausen spielte doch mit Philipp Hoffmann für den neuen Stamm-Fünfer Georg Gütschow, auch das nicht wirklich überraschend. Bei uns verzichtete der prüfungsgestresste Käptn Hübi wegen Trainingsrückstand zu Gunsten von Rodrigo Tapia. Beide Teams also in vermeintlicher Bestbesetzung. Schließlich ging es an diesem Abend um mehr als Punkte. Um guten Sport, um Prestige und um Olis Wiener Würstchen. Das Knistern in der Luft konnte man bis ins Diakonissenhaus hören. Parken musste man schon kurz hinter der Angerbrücke. Sicher hatte selten ein Punktspiel in den Stadtgrenzen soviel Brisanz wie dieses. Die Flitzebogen-Vorspannung motivierte sogar einen Einzelnen, nicht Irgendeinen und nicht ohne Botschaft, in ein lustiges Ganzkörper-Holzhausen-Löwenkostüm zu schlüpfen. Das verdient Anerkennung, neidlose. Hut ab, wenn ich noch einen hätte. Das Spiel selbst hielt nicht nur was es versprach, es bot mehr. Ein wahres Feuerwerk an Ballwechseln. Tomas Mikutis debütierte im oberen Paarkreuz mit 2 glatten Dreisatzsiegen, der Mann wird immer stärker. Roman Zavoral, sonst aus Panzerglas, zerbrach gleich zweimal, auch gegen Turo. Der führte 2:0, lag dann im Fünften hinten und war eigentlich stehend platt. Das hätte das 3:7 bedeutet, nicht wenige Zuschauer meinten zu diesem Zeitpunkt den Sieger zu kennen. Nur die mit viel Fantasie hofften noch auf eine Wende. Aber Turo zockte sich irgendwie doch noch durch. Was für ein Spiel von beiden Seiten. Die Emotionen überschlugen sich. Alfredas Udra, erneut in ganzer starker Verfassung, legte gegen "Henne" Fuß sauber nach, so wie Gila gegen das immer gefährliche, weil ausgebufft unbequeme "Händchen" Gregor Meinel und dann triumphierte auch noch Rodrigo Tapia, dank über Weihnachten eindeutig flinker gewordener Füße, über Philipp Hoffmann. Doch noch 8:7 – der erhoffte Sieg lag in der Luft. Leutzschland wähnte sich, wie kurz zuvor auch schon Holzhausen, am Ziel. Mehrere Matchbälle. Es ging langsam auf Mitternacht, Olis Würstchen waren längst alle. Gila wollte flippen, aber schupfte. Turo wollte einrohren, verfing sich aber in den Maschen. Gibt es denn keinen TT-Gott der jetzt das Ding zu macht? Gibt es nicht. Weder hier noch dort. Henne stand wieder auf, und im 5. Satz war der Käse wieder zurück gerollt. Es sollte auch diesmal nicht reichen. Ein Ergebnis wie eine Metapher. Es sollte keinen Sieger geben, außer UNSER ALLER VERRÜCKTER Sportart.

Das ist gelungen.

Turo 1,5/1,5 Tomas 2/0,5 Alfredas 2/0,5 Gila 1,5/1,5 Michal 0/2,5 Rodrigo 1/1,5

Kommentare (4)

  • FF

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    Ein tolles Spiel und ein ebenso gelungener Bericht.
    Nach dem 1:2-Satzrückstand und spätestens nach Romans Fehlaufschlag schien ein Unentschieden in unerreichbarer Ferne. Aber so ist eben Tischtennis, das macht unseren Sport aus.
    Besonders freut es mich, dass mit unserem “Löwen” alles ins Reine gekommen ist. So sollte es sein,
    auch wenn die Emotionen während des Matches mal hoch schlagen. Beide Vereine sollten sich weiter anspornen und dieses herrliche Spiel zum Maßstab nehmen.
    Wir drücken gegen den FC Bayern Münnchen die Daumen.

    Viele Grüße
    FF

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  • Lasse Machen

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    Das Bild muss noch sein. Und, präsidialer Dank – Frank.

    http://www.ttc-holzhausen.de/

    Was wir in beiden Derbys gesehen haben, war ganz große Spielkultur. Stell Dir vor, wir hätten als Jugendliche solche Vorbilder zum Anfassen gehabt… Nicht auszudenken :o) Ich hoffe dass die Jugendlichen dieser Stadt, egal in welchem Trikot, von solchem Spielwitz infiziert werden konnten.

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  • Leo aus HH

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    An alle Füchse : sportlich sehr ansprechende Leistung von beiden Seiten und somit ein Erfolg auf ganzer Linie für diesen Sport ( den ich selber nicht einmal ausübe ) , aber lieben gelernt habe und fast meine ganze Freizeit opfere . Die Geste beider Präsidenten zolle ich meine Hochachtung und Respekt….da glaube ich, dass ich mit meiner Aktion , eine Botschaft für diesen Sport und den Spaß an dieser Sportart zum Ausdruck bringen wollte.
    Also daumen hoch und weiter solche Erlebnisse ….. Fazit : der geilste Sport verdient Spannung und Emotionen auf ganzer Linie ….was persönliches noch zum Schluss : Trotzdem ist es schade das es euer Verein nicht hinbekommt eine Ausländerregel von 30-50 Prozent hinzubekommen, da ich denke das sonst auch die Bundesliga beim Fußball nur noch von legionären besetzt wäre… Und das wäre auch den Fans diese Sportart nicht gerecht und sinnvoll

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  • Lasse Machen

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    Danke “Leo”. Auch eine persönliche Antwort. Für mich hat das Wort Ausländer keinerlei Bedeutung. Fremde Länder dafür einen anziehenden Reiz, der immer wieder Fernweh weckt. Ein bißchen kann ich es nun auch zu Hause im Verein stillen und zugleich etwas für die unglaubliche Gastfreundschaft zurück geben, die ich, wie die meisten anderen auch, außerhalb unserer Grenzen (welch fürchterliche Kategorie) immer wieder erlebe. Deutschland ist die Scholle auf der ich zufällig geboren bin, dafür kann ich genau so viel und so wenig, wie für meine Nase. Das das weltoffene Leipzig meine Basis ist, dafür bin ich dankbar. Noch vor gut hundert Jahren fing das Ausland hinter Naumburg an, heute am Bosporus. Wie heißt es doch irgendwo: “Und der Herr stieg hinab und verwirrte ihre Sprache, damit keiner mehr den anderen verstehe.” Gegen diese Folgen arbeite ich täglich, und kämpfe für das gegenseitige Verstehen. Die Besten die für unseren großartigen Verein spielen wollen, sollen spielen, ob sie aus Belgershein oder Burundi kommen, und ich bin sehr sehr stolz, wie toll alle unsere Mitglieder diese Gastfreundschaft leben und an diesem Strang mitziehen. Jungen Menschen die Möglichkeit zu bieten eine Zeit lang ihre Leidenschaft mit uns zu teilen, von uns zu lernen, uns zu lehren. Integration, Austausch der Kulturen, wo geht das besser als im Sport – denn die gemeinsame Sprache ist hier gefunden. Es geht nicht um die gemeinsame Herkunft, sondern das gemeinsame Ziel. Und um es nicht zu vergessen, darum den Jugendlichen eine Vision zu geben und Zuschauern etwas tolles Unterhaltendes zu präsentieren. Und das hat ja wohl eindeutig geklappt.

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